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Exklusives Interview mit Claude Meisch, Minister für Wohnungsbau

Claude Meisch, Minister für Wohnungswesen und Raumordnung, geht auf die Herausforderungen des Immobilienmarktes ein und stellt die Grundzüge der künftigen Ausrichtung vor.

Der Wohnungsbau ist heute eine der größten Herausforderungen für die Zukunft Luxemburgs. Um die aktuellen Herausforderungen zu beleuchten und die zukünftigen Orientierungen besser zu verstehen, hatte atHome das Privileg, ein exklusives Gespräch mit Herrn Claude Meisch, Minister für Wohnungswesen, zu führen. Er erläutert uns seine Vision und seine Prioritäten, um den Erwartungen der Bürger gerecht zu werden und die Entwicklung des Immobilienmarktes zu begleiten.

Wie beurteilen Sie den aktuellen Zustand des Immobilienmarktes in Luxemburg und wie analysieren Sie seine Entwicklung in den letzten sechs Monaten?

Der luxemburgische Immobilienmarkt hat in den letzten Jahren eine deutliche Korrekturphase durchlaufen, in der die Preise zwischen 2022 und 2023 um etwa 15% gesunken sind. Seit 2024 sehen wir eine Stabilisierung und erste Anzeichen einer vorsichtigen Erholung. Diese positive Entwicklung ist auf zwei Hauptfaktoren zurückzuführen: zum einen auf die starken Maßnahmen der Regierung zur Unterstützung der Haushalte und zur Wiederbelebung des Marktes und zum anderen auf die allmähliche Lockerung der Leitzinsen durch die Europäische Zentralbank. Das Transaktionsvolumen stieg wieder an, was auf ein gestiegenes Vertrauen hindeutet. Die Dynamik ist jedoch je nach Region und Art der Immobilie unterschiedlich.

Auf der Mietseite ist die Lage weitgehend stabil, mit einem moderaten Anstieg der Mieten für Wohnungen und einem leichten Rückgang für Häuser. Heute bietet der Markt dank der Kombination aus sinkenden Preisen, einem deutlichen Anstieg der Nominaleinkommen über den Lohnindexierungsmechanismus (+15,9% seit 2021) und verstärkten staatlichen Unterstützungsmaßnahmen mehr Möglichkeiten.

Wir blicken also mit verhaltenem Optimismus in die Zukunft. Die Priorität der Regierung besteht darin, diesen Trend zu konsolidieren, damit er allen Familien zugute kommt und die Stabilisierung zu einem besseren Zugang zu Wohnraum für alle unsere Bürger führt.

Ist es angesichts des Auslaufens einiger Fördermaßnahmen für zukünftige Käufer sinnvoll, jetzt ein Immobilienprojekt zu starten, und welche Aussichten würden Sie ihnen geben?

Viele Haushalte stellen sich die berechtigte Frage, wann der richtige Zeitpunkt für ein Immobilienprojekt ist. Heute sind die Bedingungen für den Erwerb von Wohneigentum günstiger als auf dem Höhepunkt des Preisanstiegs. Nach mehreren Jahren, die von einer starken Anspannung geprägt waren, bietet der Markt nun wieder Chancen.

Die befristeten Maßnahmen des "Wohnungsbaupakets" liefen am 30. Juni 2025 aus, die Steuergutschrift "Bëllegen Akt" wurde jedoch beibehalten. Sie wurde auf 40.000 Euro pro anspruchsberechtigter Person und somit auf 80.000 Euro pro Paar für den Erwerb einer Hauptwohnung festgelegt, stellt eine konkrete Unterstützung dar und ist nach wie vor besonders bei Erstkäufern beliebt. Natürlich muss man die Zinssätze berücksichtigen, die immer noch höher sind als im Zeitraum 2016-2022. Der Trend zeigt jedoch nach unten, was die Aussichten wieder positiv erscheinen lässt.

Ich möchte jeden zukünftigen Käufer ermutigen, sich an die zentrale Anlaufstelle für Wohngeld zu wenden. Unsere Teams dort beraten täglich eine große Anzahl von Personen und können individuelle Simulationen erstellen, damit jeder seine Rechte und Möglichkeiten genau kennt.

Die Regierung wird den Haushalten, insbesondere jungen Familien, weiterhin zur Seite stehen, damit der Traum von der eigenen Wohnung in Luxemburg wieder zu einer erschwinglichen Realität wird.

Wie können die Erholung des Immobilienmarktes und die Wiederbelebung der Baubranche gefördert werden, um das Angebot an neuen Wohnungen zu erweitern?

Die Ankurbelung des Immobilienmarktes und des Bausektors bleibt eine nationale Priorität, da wir ohne neue Wohnungen die steigende Nachfrage nicht befriedigen können. Die demografische Entwicklung des Landes führt zu einem steigenden Bedarf an Wohnraum. Um diesem Bedarf gerecht zu werden, setzen wir an mehreren Hebeln an. Zunächst einmal nimmt der Staat seine Rolle als Investor voll wahr. Mehr als 900 Millionen Euro sind bereits für den Bau erschwinglicher Wohnungen eingeplant, weitere 480 Millionen Euro sind für den Erwerb von Projekten im Rahmen von VEFA vorgesehen. Diese Mittel ermöglichen es, sowohl die Aktivität der Bauunternehmen zu unterstützen als auch das verfügbare Angebot rasch zu erhöhen.

Zweitens arbeiten wir daran, die Verfahren einfacher und schneller zu machen. Das mit meinen Regierungskollegen vorgelegte Maßnahmenpaket zielt darauf ab, administrative Hindernisse zu beseitigen und gleichzeitig transparente und umweltfreundliche Regeln beizubehalten. Ein weiterer wesentlicher Pfeiler ist die Mobilisierung von öffentlichem und privatem Land. Schließlich fördern wir eine größere Vielfalt an Lösungen zur Erhöhung des Wohnungsangebots: Genossenschaften, generationenübergreifendes Wohnen, soziale Mietverwaltung. Diese Pluralität von Optionen ermöglicht es, besser auf die unterschiedlichen Bedürfnisse der Bevölkerung einzugehen und der Baubranche neue Perspektiven zu eröffnen.

Ziel ist es, eine kollektive Dynamik zwischen dem Staat, den Gemeinden, privaten Akteuren und Verbänden zu schaffen, um mehr, schneller und angemessener zu bauen.

Wie sieht Ihre Vision für die Entwicklung des Wohnungswesens in Luxemburg aus und welche Grundzüge möchten Sie fördern?

Mittel- und langfristig muss die Entwicklung des Wohnungswesens in Luxemburg sicherstellen, dass jeder Bürger Zugang zu einer würdigen und erschwinglichen Wohnung hat, während gleichzeitig Stadtviertel gebaut werden, die Nachhaltigkeit und soziale Eingliederung fördern. Dies setzt eine sorgfältige Planung voraus: vorrangig dort bauen, wo die Infrastruktur bereits vorhanden ist, die Nutzung von Grund und Boden optimieren und gemischte Viertel fördern, die Wohnungen, Arbeitsplätze, Freizeit, Geschäfte, Grünflächen und öffentliche Dienstleistungen miteinander verbinden. Als Beispiel ist das Projekt Elmen in der Gemeinde Kehlen, das von dem öffentlichen Bauträger SNHBM entwickelt wurde, das Ergebnis dieses Ansatzes.

Erschwinglicher Wohnraum muss zu einem echten Faktor für Stabilität und Vertrauen in die Zukunft werden. Dieses Ziel erfordert ein stärkeres Engagement der öffentlichen Bauträger sowie der Akteure des gemeinnützigen und privaten Sektors.

Der Staat wird weiterhin massiv in erschwinglichen Wohnraum investieren. Der Erfolg wird jedoch auch von der gemeinsamen Mobilisierung der Kommunen, privaten Investoren, Verbänden und der Zivilgesellschaft abhängen.

Die Herausforderung ist immens, aber sie bietet auch eine einzigartige Chance: die Möglichkeit, Städte und Dörfer nach menschlichem Maß zu gestalten, die umweltfreundlich sind und Lebensqualität bieten. Es ist eine Verpflichtung gegenüber den zukünftigen Generationen, damit Luxemburg ein attraktives, solidarisches und nachhaltiges Land bleibt, in dem jeder seinen Platz hat.

Gibt es ein bestimmtes Thema, das Sie gerne ansprechen möchten, oder eine zusätzliche Frage, die Sie gerne beantworten möchten?

Wohnen ist mehr als Zahlen und Pläne; es ist vor allem ein Zusammentreffen von Projekten, Lebensläufen und engagierten Akteuren.

Genau das beleuchtet die Semaine Nationale du Logement, die sich im Laufe der Jahre zu einem wichtigen Treffpunkt für all diejenigen entwickelt hat, die sich für den Immobilienmarkt in Luxemburg interessieren.

Während dieser Veranstaltung treffen sich zukünftige Käufer, Mieter, öffentliche und private Bauträger, Banken, Versicherungen und Akteure des erschwinglichen Wohnraums an einem Ort. Diese Konzentration ermöglicht es, eine Vielzahl konkreter Projekte zu entdecken, persönliche Beratung zu erhalten und die vom Staat zur Verfügung gestellten öffentlichen Fördermittel besser zu verstehen. Für viele Haushalte ist dies ein Schlüsselmoment, um zu vergleichen, Fragen zu stellen und Lösungen zu finden, die auf ihre Realität zugeschnitten sind.

Über den praktischen Aspekt hinaus veranschaulicht die Nationale Woche des Wohnungswesens das kollektive Engagement für eine zugänglichere, vielfältigere und nachhaltigere Wohnungsversorgung. Aus diesem Grund ist das Ministerium für Wohnungswesen und Raumordnung jedes Jahr mit einem Stand vertreten, der sich der Information, insbesondere über individuelle Wohnbeihilfen, widmet.

Diese Veranstaltung ist nicht nur eine Ausstellung, sondern das Schaufenster und der wichtigste Treffpunkt, um über die Zukunft des Wohnungswesens in Luxemburg nachzudenken und sie zu gestalten.

atHome.lu

Geschrieben von

atHome.lu

Geschrieben am

09. Oktober 2025

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